Gymnasium Münsingen
.
Startseite

17. Februar 2009
Düsternis weht kalt herein
Oratorischer Bilderreigen: Unterstufenchor und Orchester der Musikfreunde



17. Februar 2009


In der Christus-König-Kirche Münsingen boten der Unterstufenchor uns das Orchester des Gymnasiums und das Orchester der Musikfreunde
einen oratorischen Bilderreigen. Foto: sgk


Kriegsschrecken auf der Münsinger Alb und die Sehnsucht nach Fröhlichkeit: Ein Hauch Barock streifte die Zuhörer in der Christus-König-Kirche am Sonntag. Ein oratorischer Bilderreigen mit Musik und Lyrik.

SABINE GRASER-KÜHNLE
MÜNSINGEN. Der Unterstufenchor und das Orchester des Münsinger Gymnasiums zusammen mit dem Orchester der Gesellschaft für Musikfreunde skizzierten mit ihrer Musik und vorgetragener Lyrik einen barocken Bilderbogen.
 
Mit modernen Rap-Rhythmen "Barock is so heavy", holten die Akteure ihr Publikum aus der Gegenwart ab und entführten es in eine Zeitepoche, die geprägt war von Zerrissenheit.
 
Ein dekadenter Adel, der im Überfluss schwelgte und schönste anmutige und reich verzierte Musik hörte, wie die "Abdelazar-Suite" des englischen Hofkomponisten Henry Purcell. Einem gemäßigten "Rondeau" folgte mit hellen Flötensoli das "Minuett", mit fröhlich gezupften Streicherpizzicati und Staccati der Bläser kam der "Jigg" daher, bevor, weich fließend, die weichen Violinen den dunklen Streichern im "Air" Paroli boten.
 
Die Textrezitationen aus dem örtlichen Archiv und die szenisch umgesetzte Geschichte der "schwarzen Marie" dagegen offenbarten dem Münsinger Publikum drastisch die ganze Tragweite des Dreißigjährigen Krieges. "Dies war wohl die schrecklichste Zeit, die Münsingen je erlebt hatte, . . . in Gomadingen sind nur noch einige Bürger vorhanden. . .", verlasen die Jungen und Mädchen
Aus der weit zurückliegenden Zeit kam ein kalter Hauch Düsterheit dieser Tage in der eiskalten Christus-König-Kirche an. Absolut stimmig griff der Chor diese Atmosphäre mit "Es geht eine dunkle Wolk herein" auf. Dunkle, drohende Akkorde am Cembalo und klagende Trommelschläge untermalten den zweistimmigen Sologesang, der eingebettet war in den mehrstimmigen Chor.
 
Deutliche Worte sprach auch der "Totengräber zu Münsingen" von G. A. Bürger, ". . . da steh ich allerletzter, der Totengräber noch". Dass auch das Volk nach vergessen machender Fröhlichkeit lechzte, drückte Martin Opitz mit "Carpe diem" (Nutze den Tag) aus. "Nimm den Krug und fülle Wein, Alles Trauren, Leid und Klage, . . . will ich in den süßen Saft, den die Traube gibt, vergraben."
 
Mit Werken von Johann Sebastian Bach und Paul Gerhardt als Zeichen des das Barockzeitalter ebenfalls prägenden tiefen religiösen Glaubens, schlossen die Akteure den oratorischen Bilderreigen - Musik, die heute noch in den Gottesdiensten gerne gehört ist. Den Auftakt machten ebenso bekannte und beliebte Werke, nämlich Georg Friedrich Händels Ouvertüre aus der "Feuerwerksmusik" und die Hornpipe aus seiner "Wassermusik".
 
Mit dem "oratorischen Bilderreigen" debütierte die Schule mit ihren drei Beiträgen zum Münsinger Jubiläumsjahr. Mit diesem sorgfältig abgestimmten und zusammengestellten Programm mit viel Lokalkolorit, haben die Akteure eindrücklich eine Zeit aufleben lassen, die zwar gerne vergessen wird, aber doch so prägend, gerade auch für die Stadt Münsingen, war.
 
Nur sehr wenige Münsinger verfolgten den musikalischen und literarischen Abriss dieser Epoche, der von den Schülern mit hoher Motivation und von den Orchestermitgliedern feinfühlig dargebracht war.

12. März 2008
Stadtjubiläum - Schulorchester und Chor des Münsinger Gymnasiums sorgen für stimmungsvollen Hörgenuss
Barocke Leidenschaft und Trostlosigkeit

17. Februar 2009


Chor und Orchester des Gymnasiums sorgten zwei Mal für großen Hörgenuss.
FOTO: PK


MÜNSINGEN. Barocke Leidenschaft und pralles Leben, sie trafen am Sonntag in der Christus-König-Kirche in Münsingen und gestern Abend ein zweites Mal in der Kirche in Gomadingern auf Todesstimmung und Trostlosigkeit. Stimmungsvoller Hörgenuss und höchst interessante Texte aus dem 16. sowie 17. Jahrhundert wurden unter Einbeziehung historisch-lokaler Bezüge in und um Münsingen von über 60 Musikern, Solisten und jungen Sängern den Zuhörern präsentiert.

Mit einem »bunten« oratorischen Bilderreigen zum Thema »Barock in Münsingen« gab es die erste beeindruckende musikalische Kostprobe des Schulorchesters der Klassen 8 bis 13 und des Orchesters der Gesellschaft der Musikfreunde Münsingen mit dem Unterstufenchor der Klassen 6 und 7 des Gymnasiums zur 1 200-Jahr-Feier Münsingens. Eine recht »ungewöhnliche Literatur« und »nur Barockmusik« haben sich die Schüler dabei herausgesucht.
Musiklehrer Steffen Hinger hat gemeinsam mit Bettina Harke das anspruchsvolle Programm mit den Schülern und Musikern einstudiert, während seine Frau Helma die Texte zusammengestellt hat. Der frühere Stadtarchivar Dr. Roland Deigendesch war mit Dr. Rudolf Bütterlin, der selbst im Orchester mitwirkt, bei der Zusammentragung alter Texte behilflich.Schreckensberichte aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Münsingen, Vergänglichkeit, Lebensfreuden und Trost im Glauben sind dabei Inhalte der alten Schriftstücke.

Der Begriff »Carpe Diem« (nutze den Tag) bringt dabei alles zum Ausdruck: »Verschiebe nichts auf morgen, weil du nicht weißt, ob das Morgen stattfindet, lebe jetzt!« Freundliche Anleitung gibt der Schulchor mit »Die Kunst des Küssens« gleich dazu, denn »Das Leben welkt wie Gras«, so der Wortlaut ihrer literarisch-musikalischen Zeilen. »Es geht eine dunkle Wolk' herein« und »Der Totengräber zu Münsingen« lässt den Zuhörer dagegen nachdenklich werden. Dass im Dreißigjährigen Krieg Dörfer, wie Auingen oder Dottingen, »total entvölkert« wurden und Münsingen nur noch aus »einer Handvoll verarmter, kranker Bewohner« bestand, ist heute kaum mehr vorstellbar.

Schrecken und Wirren jener Zeit und ihre zunehmend zerfallende Moral geben Texte und Gedichte der Aufführung auf literarisch-musikalische Art und Weise wider. Den pompösen und glanzvollen Part des Barockzeitalters übernehmen die Orchester mit ihren Stücken großer Meister wie Händel, Purcell oder Bach. Einige Ausschnitte werden auch im Festprogramm der 1200-Jahr- Feierlichkeit zu hören und sehen sein. (pk)


http://www.gm.rt.schule-bw.de/aktuelles
Letzte Änderung: 2009-01-10 / bo