Kriegsschrecken auf der Münsinger Alb
und die Sehnsucht nach
Fröhlichkeit: Ein Hauch Barock streifte die Zuhörer in der
Christus-König-Kirche am Sonntag. Ein oratorischer Bilderreigen
mit
Musik und Lyrik.
SABINE
GRASER-KÜHNLE
MÜNSINGEN.
Der Unterstufenchor und das Orchester des Münsinger Gymnasiums
zusammen
mit dem Orchester der Gesellschaft für Musikfreunde skizzierten
mit
ihrer Musik und vorgetragener Lyrik einen barocken Bilderbogen.
Mit modernen Rap-Rhythmen "Barock is so heavy", holten die Akteure ihr
Publikum aus der Gegenwart ab und entführten es in eine
Zeitepoche, die
geprägt war von Zerrissenheit.
Ein dekadenter Adel, der im Überfluss schwelgte und schönste
anmutige
und reich verzierte Musik hörte, wie die "Abdelazar-Suite" des
englischen Hofkomponisten Henry Purcell. Einem gemäßigten
"Rondeau"
folgte mit hellen Flötensoli das "Minuett", mit fröhlich
gezupften
Streicherpizzicati und Staccati der Bläser kam der "Jigg" daher,
bevor,
weich fließend, die weichen Violinen den dunklen Streichern im
"Air"
Paroli boten.
Die Textrezitationen aus dem örtlichen Archiv und die szenisch
umgesetzte Geschichte der "schwarzen Marie" dagegen offenbarten dem
Münsinger Publikum drastisch die ganze Tragweite des
Dreißigjährigen
Krieges. "Dies war wohl die schrecklichste Zeit, die Münsingen je
erlebt hatte, . . . in Gomadingen sind nur noch einige Bürger
vorhanden. . .", verlasen die Jungen und Mädchen
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Aus der weit
zurückliegenden Zeit kam ein kalter Hauch Düsterheit dieser
Tage in der eiskalten Christus-König-Kirche an. Absolut stimmig
griff der Chor diese Atmosphäre mit "Es geht eine dunkle Wolk
herein" auf. Dunkle, drohende Akkorde am Cembalo und klagende
Trommelschläge untermalten den zweistimmigen Sologesang, der
eingebettet war in den mehrstimmigen Chor.
Deutliche Worte sprach auch der "Totengräber zu Münsingen"
von G. A. Bürger, ". . . da steh ich allerletzter, der
Totengräber noch". Dass auch das Volk nach vergessen machender
Fröhlichkeit lechzte, drückte Martin Opitz mit "Carpe diem"
(Nutze den Tag) aus. "Nimm den Krug und fülle Wein, Alles Trauren,
Leid und Klage, . . . will ich in den süßen Saft, den die
Traube gibt, vergraben."
Mit Werken von Johann Sebastian Bach und Paul Gerhardt als Zeichen des
das Barockzeitalter ebenfalls prägenden tiefen religiösen
Glaubens, schlossen die Akteure den oratorischen Bilderreigen - Musik,
die heute noch in den Gottesdiensten gerne gehört ist. Den Auftakt
machten ebenso bekannte und beliebte Werke, nämlich Georg
Friedrich Händels Ouvertüre aus der "Feuerwerksmusik" und die
Hornpipe aus seiner "Wassermusik".
Mit dem "oratorischen Bilderreigen" debütierte die Schule mit
ihren drei Beiträgen zum Münsinger Jubiläumsjahr. Mit
diesem sorgfältig abgestimmten und zusammengestellten Programm mit
viel Lokalkolorit, haben die Akteure eindrücklich eine Zeit
aufleben lassen, die zwar gerne vergessen wird, aber doch so
prägend, gerade auch für die Stadt Münsingen, war.
Nur sehr wenige Münsinger verfolgten den musikalischen und
literarischen Abriss dieser Epoche, der von den Schülern mit hoher
Motivation und von den Orchestermitgliedern feinfühlig dargebracht
war.
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